PASSING SNOW – Skulpturen und Zeichnungen
Gunther Gerlach
. bis –


Im Hintergrund: schweigend, 1999/2026, Holz weiß und geschwärzt, Fotografie, wenn nicht anders angegeben © Hervé Maillet

Im Hintergrund: Versuch einer Begegnung, 2000/2026, Holz, bemalt, Höhe ca. 210 cm

dunkler Ort, 1986/2026, Holz, geflämmt, schwarz gefasst, 98 x 250 x 270 cm

ferner Ort, 1986/2026, Holz, geflämmt und weiß gefasst, ca. 95 x 250 x 180 cm

Im Vordergrund: going fishing, 2009/2026, Holz, geweißt, Größe variabel

Blick in die Ausstellung, im Vordergrund Teilansicht von going fishing, 2009/2026

sculptors dream, 1999/2025, weiß bemalte Stahldrucke

sculptors dream, 1999/2025, Teilansicht

Blick in den kleinen Galerieraum, im Vordergrund o.T., 2026, Holz, schwarz gefasst, Höhe 190 cm

Passing snow, 2026, Film/Texte: Gunther Gerlach
Schnitt: Hervé Maillet, Video 4:31 Min., ©Bernadette
Ich träumte
Dass Schnee fiel
Dass er blieb bis zum Morgen
Dass er vorbeizog
Und freilegte was er in der Nacht noch verborgen hatte
Skulpturen und Übermalungen
Momente der Intuition sind oft kurz, bewirken aber manchmal eine dauerhafte Berührung. Holz und Papier sind vergänglich, Spuren temporär. Darauf bezieht sich der poetische Titel der Ausstellung: „PASSING SNOW“. Der Wunsch, dass etwas länger bleibt und Kurzzeitiges nachwirkt.
In der Ausstellung werden Skulpturengruppen, großformatige Stahldrucke und Radierungen gezeigt, die nach 35 Jahren von dem Künstler überarbeitet wurden. Seine abstrakt figurativen Holzskulpturen begegnen erzählend Traumhaftem auf Nessel und Büttenpapieren. Seine breit gefächerte Raumauffassung reicht von Skulpturensetzungen über Rauminstallationen bis ins Poetische. Präsenz und Flüchtigkeit sind die beiden Pole, Zwischenräume freizulegen, um Unsichtbares sichtbar zu machen. In den Skulpturen erstarrt die Bewegung im Raum, während in den flächigen Arbeiten weiße Figuren die schwarze Raumtiefe bevölkern.
Zwischen Form und Raum
Der Abstand zwischen Dingen ist nicht allein eine messbare Entfernung, sondern auch zeitlicher Natur. Das gilt für Skulpturen wie für Worte oder Zeichen auf Papier. Das Geschehen ist immer im Zwischenraum. Dort spielt sich ab, was manchmal erst später wahrgenommen wird. Richten wir den Blick auf Bruch und Lücke, wird uns deutlicher was mit den Dingen geschehen ist, was sie uns sagen wollen. Sehen wir auf die Dinge von anderen Seiten, sehen wir andere Abstände und das einzelne Stück bekommt eine andere Bedeutung. Manchmal ist es die Teilung des Ganzen, manchmal fügen sich die Teile zu einem Ganzen wieder zusammen oder dazwischen ist ein Bruch. So wird aus dem physikalischen Raum der Raum der Anschauung. Die Dreidimensionalität, die eine Hülle wie ein Gefäß zugleich darstellt, sind Merkmale des noch größeren Raums der Bedeutungen, in dem es keine Endgültigkeit, sondern nur Möglichkeiten gibt, die von der Kunst verkörpert und erkundet werden können. Gedankenraum, Phantasieraum, Erkenntnisraum, Wahrnehmungsraum…. Zwei Zeilen von Leonard Cohen aus „Anthem“ machen es deutlich: „There is a crack, a crack in everything, that's how the light gets in.“
„Wenn ich als skulptural arbeitender Bildhauer das gewachsene und lebendige Material Holz aufbreche oder zerteile, scheint der Eingriff einschneidend, führt zu einer anderen Konstellation und eröffnet neue Perspektiven. Immer neigt sich die Form der menschlichen Gestalt zu, weil wir uns in der Abstraktion wie in einem Spiegel wiedererkennen.“
Text: Gunther Gerlach